KGMU

Newsletter Herbst/Winter 2013

Sehr geehrtes Mitglied, liebe Leser,

die Tage der kalten Jahreszeit sind gekommen. Es wird gemütlich zu Hause und man lädt gerne zu sich ein. Daher widmet sich in dieser Ausgabe unsere Vize-Präsidentin Barbara Rumpf dem Thema Gastgeberzeit. Zudem können Sie in dem Bericht von Matthais Geist die wichtigsten Themen unserer diesjährigen Jahreshauptversammlung auf der Kleeburg nachlesen. Antonia Wegmann stellt ihr persönliches Charity Projekt vor und in „Kurz gefragt...“ erfahren wir einiges zum Schmunzeln über Christiane Plöger.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Christina Robke

Vorstand Kommunikation und Presse

Ausgabe Herbst/Winter 2013

• Bericht über die JHV 2013
• Herbst-/Winterzeit ist Gastgeberzeit
• Update für ÖPNV-Profis
• 1. Kinder-Knigge-Marathon
• Kurz gefragt: Christiane Plöger

Bericht über die JHV 2013

von Matthias Geist

Am 21. und 22.09.2013 trafen sich die aktiven Mitglieder der  Knigge Gesellschaft für Moderne Umgangsformen auf der Kleeburg, dem Stammsitz der Gesellschaft zu ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung. Neben den Vorstandswahlen standen in diesem Jahr vor allem der aktuelle Zertifizierungslehrgang zum Experten für moderne Umgangsformen (IHK) durch die KGMU und Knigge-Themen für den Herbst und Winter auf dem Programm. Der zweite Teil der JHV beinhaltete interessante übergreifende Themen wie Entwicklungspsychologie, Erziehungsirrtümer, Konfliktprävention und einen Leitfaden für Lehrer und Schüler.

Zunächst galt es den Vorstand der KGMU neu zu wählen. Unser bisheriges Vorstandsmitglied Christina Robke, verantwortlich für Presse & Kommunikation, stand leider aus beruflichen Gründen nicht mehr für den Vorstandsposten zur Verfügung. Sie erklärte sich aber dazu bereit, den Vorstand weiterhin durch die Herausgabe des Newsletters zu unterstützen.
Zudem wurde der Vorstand durch einen neuen Zuschnitt der Ressorts umstrukturiert.
Christiane Plöger übernimmt von Christina Robke das Ressort Presse & Kommunikation. Neu in den Vorstand wurde Yasmin Birk gewählt, die nun für das Ressort Organisation & Charity zuständig ist, sowie Matthias Geist, der die Aufgaben Marketing & Eventmanagement wahrnimmt. Rosetta Meier erhielt den neuen Posten der Schriftführerin. Alle anderen Vorstandmitglieder wurden in ihren bisherigen Ämtern bestätigt.

Der Zertifizierungslehrgang zum Experten für moderne Umgangsformen (IHK) durch die KGMU ist erfolgreich angelaufen und wird derzeit in Berlin durchgeführt. Prüfungstermin vor der IHK ist der 29.11.2013. Die nächsten Teilnehmer für den Lehrgang stehen bereits in den Startlöchern. Damit hat die KGMU den Grundstein für eine fundierte und kompetente Fachausbildung in Deutschland gelegt.

Zudem beschäftigte sich die Jahreshauptversammlung mit aktuellen Themen für den Herbst und Winter, denn Herbst/Winter ist Gastgeberzeit. Lesen Sie hierzu auch den Artikel von Barbara Rumpf ab Seite 3.

Der zweite Tag der JHV war von spannenden Fachvorträgen geprägt. Barbara Rumpf referierte über Entwicklungspsychologie, und wie die ersten sechs Lebensjahre einen Menschen prägen. Katharina Höchemer knüpfte mit ihrem Vortrag über die „Zehn Erziehungsirrtümer“ direkt an dieses Thema an und zeigt auf, wie wichtig die Werte Integrität, Gleichwürdigkeit, Verantwortung und Authentizität sind, da sie ein Kind ein Leben lang tragen. Tosca von Korff sprach in ihrem Vortrag darüber, wie Konflikte entstehen, oft latent schwelen und irgendwann zur Eskalation führen, und zeigte Wege zur Konfliktbewältigung auf.  Lara Hoyer schloss den Bogen mit der Vorstellung eines neuen Projekts für die KGMU, nämlich eines Leitfadens für Schüler und Lehrer, insbesondere für Brennpunktschulen. Die Idee, ein autodidaktisches Lehrwerk zu schaffen, um vor allem die Lehrer zu schulen wird ein weiterer wichtiger Schritt der KGMU für die kommenden Jahre sein.

Außerdem widmete sich die JHV den aktuellen Charity-Themen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der „Projektfabrik“ wurde gewürdigt, insgesamt gaben die KGMU-Trainer  in den vergangenen zwei Jahren rund  40 ehrenamtliche Seminare mit ca. 400 Teilnehmern. Nun will sich die Gesellschaft neuen Projekten widmen.
Die Hilfsorganisation „Chance for growth e.V.“ führt unter der Leitung von dem Vereinsgründer Dr. Sven Volkmuth medizinische Einsätze in ausgewählten Gebieten von Süd-Ost-Asien durch und fördert die Bildung von Kindern durch die Vermittlung von Schulpatenschaften. Die KGMU engagiert sich in diesem Jahr für dieses wichtige Projekt, mit der Erkenntnis, dass man das Schicksal anderer Menschen bereits mit kleinen Hilfen positiv verändern kann. Die Trainer der KGMU gaben oder organisierten andere Veranstaltungen, um Spenden für den Verein „Chance for growth“ zu sammeln. Wir freuen uns sehr, dass wir Herrn Dr. Volkmuth einen Scheck über 2.350€ für dieses wichtige Projekt überreichen konnten.

Natürlich kam auch das Rahmenprogramm bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung nicht zu kurz. So begab sich die Mehrzahl der Teilnehmer der JHV am Samstagabend in das „Brauhaus Sünner im Walfisch“ nach Köln, wo mit dem gut gelaunten „Jakobinchen“, der weiblichen Form des bekannten einheimischen „Köbes“ (so bezeichnet man etwa seit dem 19. Jahrhundert den Kellner in Kölner Brauhäusern) über wichtige Knigge-Regeln (z.B. Handy im Brauhaus) diskutiert wurde. Fazit: Wer die Regeln kennt, darf sie auch brechen.

Herbst-/Winterzeit ist Gastgeberzeit

von Barbara Rumpf

Wenn mit dem Ende des Sommers die Grillsaison zu Ende ist, beginnt die Zeit der schönen Abende, an denen man Gäste zu sich nach Hause einlädt. Egal, ob Sie zu einem rustikalen Grünkohl-Essen einladen oder zu einem üppigen Gänseessen gibt es sowohl für den Gastgeber als auch für den Gast Einiges zu beachten, um einen stilvollen Abend zu verleben.

Ist man als Gast zu einer bestimmten Uhrzeit eingeladen, kommt man auf keinen Fall zu früh. Hier gilt die Regel „5 Minuten nach der Zeit ist des Gastes Höflichkeit“. Dadurch bringt man den Gastgeber nicht in Druck, wenn er noch schnell die letzten Handgriffe erledigen möchte.
Herbst- und Winterzeit ist Regen- und Schneezeit, darauf sollte der Gastgeber gut vorbereitet sein. Neben einer Garderobe und ausreichend Kleiderbügel für Mäntel und Jacken, damit diese nicht auf dem Bett des Gastgebers abgelegt werden müssen, sollte ebenfalls ein Schirmständer bereit stehen.
Trägt man als Gast wegen des schlechten Wetters rustikale Schuhe, nimmt man am besten ein zweites elegantes Paar mit und trägt diese dann in den Räumen des Gastgebers passend zum eigenen Outfit. Gäste sollten auf keinen Fall genötigt werden, die vom Gastgeber bereitgestellten Hausschuhe zu tragen oder gar die Schuhe auszuziehen und auf Socken herumzulaufen. Das macht dem Gast Unbehagen, es ist ihm peinlich und es zerstört das schönste Outfit. Soll der wertvolle Parkettfußboden geschont werden, sollte in der Einladung beim der Dresscode-Empfehlung darauf hingewiesen werden, dass keine Pfennigabsätze gewünscht sind.
Gastgeschenke sind eine schöne Dankesgeste für die erfolgte Einladung. Schenkt man Blumen, so schickt man diese am besten im Laufe des Tages mit einer kleinen Karte „Wir freuen uns auf heute Abend“ oder „Vielen Dank für die Einladung“ voraus, dann hat die Gastgeberin am Abend keine Mühe mit dem Anschneiden der Blumen und dem Aussuchen einer Vase. Außerdem bekommt der Strauß schon einen dekorativen Platz bevor die Gäste kommen. Alle anderen Geschenke sollten im Laufe des Abends ausgepackt werden. Durch das individuelle bedanken für die Geschenke bekommt der Gast die Wertschätzung zurück. Auf Sätze wie „Das war doch nicht nötig“ oder „Du musstest doch nichts mitbringen“ sollte man auf jeden Fall verzichten. Freuen Sie sich über die Geschenke und bekunden Sie das. Der Gast hat Ihnen sicher gerne etwas mitgebracht.Bei der Platzierung der Gäste ist es empfehlenswert, Ehepaare ruhig einmal getrennt zu setzen. Das lockert den Abend und fördert die Kommunikation. Auch sollten Sie nicht immer wieder neben denselben Freunden sitzen. Nutzen Sie den Abend, um nette Menschen kennen zu lernen.
Wenn Ihnen das Essen zu lasch gewürzt ist, fragen Sie als Gast niemals eine Gastgeberin nach Pfeffer und Salz. Sie geben ihr unterschwellig zu verstehen, dass sie nicht gut kochen kann. Für die Gastgeber erübrigt sich die Frage „Schmeckt es Ihnen?“, hoffen Sie lieber auf das freiwillige, nicht erzwungene Lob Ihrer Gäste.
Beim Abräumen sollte der Gast fragen, ob seine Hilfe überhaupt erwünscht ist. Man steht als Gast nicht einfach auf und räumt mit ab. Das stört die Geselligkeit, weil andere sich auch genötigt fühlen zu helfen und die Gesprächsatmosphäre leidet. Außerdem ist die Küche das Hoheitsgebiet der Gastgeber. Viele Gastgeber möchten nicht, dass ihre Gäste sehen, wie es in der Küche aussieht oder aber in ihrem Ablauf gestört werden.
Haben Sie mehr als zwanzig Gäste, sorgen Sie für Hilfskräfte, mit denen Sie vorher den Ablauf durchgesprochen haben, um Sie tatkräftig zu unterstützen. So haben Sie den Rücke frei, können den Abend mit Ihren Gästen verbringen und stehen nicht den ganzen Abend über in der Küche oder sorgen für die Getränke.
Gehört man zu den ersten aufbrechenden Gästen, verabschiedet man sich dezent von seinen Tischnachbarn. Auf einen Handschlag mit allen verbleibenden Gästen verzichtet man, um keine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Die anderen Gäste müssten sich zum Handschlag erheben und kommen so vielleicht auch auf den Gedanken zu gehen. Selbstverständlich bedankt man sich beim Gastgeber und verabschiedet sich dort mit Handschlag. Ein heimliches Verschwinden gehört sich nicht.
Eine nette Geste ist sicher, sich am nächsten Tag nochmals kurz telefonisch beim Gastgeber für den gelungenen Abend zu bedanken.

Update für ÖPNV-Profis

von Tessa Becker

Jeder kennt die unangenehme Situation, mit wildfremden Menschen in Bus und Bahn gezwungenermaßen unterwegs zu sein. Geschiebe und Geschubse– das ist viel menschliche Nähe, die nicht jeder mag! Es ist eng, Handys klingeln, der Nachbar hört lautstark Musik. Dazu der ein oder andere Geruch, der als weitere Belästigung empfunden wird.

Damit die Fahrt mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln nicht zum Alptraum wird, hier die zehn besten Empfehlungen:

Ein- und Ausstieg: Zuerst alle Fahrgäste aussteigen zu lassen! Dann sind wartende Frauen mit Kinderwagen sowie ältere Menschen an der Reihe – falls erforderlich bitte beim Einsteigen behilflich sein.  

Vergabe des Sitzplatzes: Die Reise nach Jerusalem gehört auf Kindergeburtstage und nicht in Busse oder Bahnen. Hier räumen jüngere Menschen für ältere Fahrgäste, Schwangere oder Personen mit Beeinträchtigungen ihren Sitzplatz. Gegebenenfalls bitten Sie den jüngsten Mitfahrer in Ihrer Umgebung höflich darum, seinen Platz frei zu machen.

Nachbarsitz vereinnahmen: Sind Bus oder Bahn nur spärlich besetzt, darf ich meine Tasche auf den leeren Nachbarsitz stellen. Sobald ein anderer Fahrgast diesen Platz haben möchte, muss er zügig frei gemacht werden.

Körperhygiene: Gerade im Sommer ein ganz heißes Thema. Da es sich nicht vermeiden lässt, in öffentlichen Verkehrsmitteln anderen sehr nah zu kommen, auf keinen Fall „verschmutzt“ und übel riechend unterwegs sein.

Fenster öffnen: Eine höfliche Nachfrage beim Sitznachbarn ist angebracht. Bleiben Sie immer freundlich, auch wenn Sie sich eigentlich beschweren möchten.

Rucksack im Gedränge: Der Mitfahrer mit dem riesigen Rucksack auf der Schulter – das ist eine echte Rücksichtslosigkeit. Und die Lösung so einfach: Rucksack abnehmen und vor sich auf den Boden stellen. Das ist gleichzeitig auch der perfekte Schutz vor Taschendieben.

Fahrradmitnahme: Mit dem Fahrrad immer nur an den extra gekennzeichneten Türen einsteigen.  

Tobende Kinder: Bus und Bahn sind kein Spielplatz, sprechen Sie die Mütter höflich an. Rennende Kinder nerven nicht nur die Mitfahrenden, es besteht zugleich eine große Unfallgefahr.

Laute Musik: Unbedingt Kopfhörer benutzen, damit nur Sie beschallt werden und nicht alle Mitreisenden. Am besten vorab Zuhause einen Testlauf durchführen und checken, ab welcher Lautstärke sich Umstehende gestört fühlen.

Telefonate: Es mag sein, dass es Gespräche gibt, die nicht aufschiebbar sind. Aber es ist auf keinen Fall nötig, nach jeder Station eine Statusmeldung abzugeben – und das in einer Lautstärke, die für jeden Mitreisenden unerträglich ist. Telefonieren Sie erst, wenn Sie Bahn oder Bus verlassen haben!

1. Kinder-Knigge-Marathon


Spendenaktion für die Stuttgarter Straßenkinder

von Antonia Wegmann

Vom 02. bis 06. September 2013 startete der erste Kinder-Knigge-Marathon in Hohenlohe für insgesamt 60 Kinder an sechs Tagen zwischen 8 und 12 bzw. 13 und 16 Jahren. Das zweistündige Seminar mit Essen und Getränk war kostenfrei. Antonia Wegmann, Knigge & Etikettetrainerin bat um eine Spende für die Straßenkinder von Stuttgart – eine Initiative der One World Family Stiftung gGmbH –  und sammelte stolze € 1.265,00 ein.

Die jungen Menschen wurden schrittweise in die Welt des guten Benehmens eingeführt. Begrüßungsrituale wie richtiges Händeschütteln oder gegenseitiges „Sich- Vorstellen“ wurden geübt. Auch der höfliche Umgang in der Öffentlichkeit wurde besprochen und die Kinder bzw. Jugendlichen stellten Fragen und lernten, dass Herr Knigge kein verknöcherter englischer Butler, sondern ein humorvoller „Revoluzzer“ war.
Es folgte ein gemeinsames Restaurant-Mittagessen, bei welchem die richtige Sitzhaltung, die Funktion der einzelnen Ess-Utensilien und der gegenseitige Respekt erläutert wurden. Bei alledem wurde den jungen Menschen klar gemacht, dass es bei „Knigge“ um mehr geht als um strenge Bewerbungsgespräche oder Krawattenbinden. Gutes Benehmen ist Ausdruck einer ganzheitlichen Lebensphilosophie – es ist die Grundlage für ein friedliches, harmonisches Zusammenleben. Denn das Knigge-Motto lautet: „Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu!“ Oder umgekehrt: „Benimm dich immer so, wie du selbst behandelt werden möchtest!“
Übertragen auf das praktische Leben heißt das: alles, was sich äußerlich zeigt, in gutem Benehmen und körperlichen Haltung, ist Ausdruck der inneren Haltung! Und umgekehrt wirkt das äußere Handeln auf das Innere zurück. Sich Benehmen formt den Charakter!

Hier muss unweigerlich die Frage kommen, wer den Kindern von heute diese Philosophie im täglichen Leben vorlebt? Wo herrscht ein solch höfliches, taktvolles Miteinander? Wo tun wir unseren Mitmenschen gegenüber nur das,  was wir selbst von ihnen „empfangen“ möchten? Im Zeitalter des gegenseitigen Misstrauens und des allgegenwärtigen Konkurrenzdenkens erscheinen Freiherr Adolph Knigges Philosophien nicht wie alte Zöpfe aus der Vergangenheit, sondern eher wie positive Zukunftsvisionen. Dass diese – mit etwas gutem Willen - auch tatsächlich umsetzbar sind, haben die Jugendlichen jeweils 2 Stunden lang bewiesen. Danke, Herr Knigge, darauf lässt sich aufbauen.

Kurz gefragt ...

Name: Christiane Plöger

Wohnort: Pulheim

Unternehmen: „Stilblüten“ Stil und Style

Schwerpunkt/e: • IHK- zertifizierte Trainerin und Dozentin für moderne Umgangsformen
• Prüfungsausschuss der IHK Köln Kurse für den privaten und geschäftlichen Rahmen, Kinder und Jugendliche
• Image- und Outfitberaterin, Spezialistin für Farbberatung
• Fashion Stylistin bei Astrid Rudolph Fashion Style Academy, “Schick und schön” (ZDF)
• Dozentin bei der dbb Akademie des Deutschen Beamtenbundes

Wie kamen Sie zum Knigge Training?

Wie die Jungfrau zum Kinde. Bei einem Empfang überreichte mir der Gastgeber ein Glas Sekt, welches er bis zum Rand gefüllt hatte. Da dachte ich mir, das müsste man doch stilvoller hinbekommen. Als der Herr dann nach dem Essen noch seine Serviette in den Teller legte und seine Zigarette darin ausdrückte war ich sicher, dass es eine gute Ergänzung meines Repertoires sein kann, Menschen davon zu erzählen, wie diese Fettnäpfchen vermieden werden.

Stil bedeutet für mich:

Stil hat nichts mit dem Auswendiglernen der Benimmregeln zu tun, sondern etwas mit der inneren Haltung und mit Vermittlung der ewig geltenden Tugenden Gerechtigkeit, Mäßigung, Weisheit und Tapferkeit. Auf mich heruntergebrochen bedeutet das: aufrecht gehen, aufrecht stehen, aufrecht sprechen, aufrecht Fehler eingestehen, aufrecht Wahrheiten zu sagen, aufrecht zu ertragen.
 
Für mich hat Mode auch etwas mit Stil zu tun, das ist in meinem Beruf keine Frage. Doch zitiere ich hier gern Coco Chanel „Mode verschwindet, Stil bleibt erhalten.“

Mein lustigster/unangenehmster Knigge Fauxpas war ...

... als ich in einem Seminar für Jugendliche stand und der Reißverschluss meiner Hose nicht geschlossen war. Ich hatte zwar eine lockere, moderne Bluse darüber an, doch nachdem ich es bemerkte, glaubte ich natürlich, jeder schaue dort hin. Es hatte mich dann viel Phantasie gekostet, den Reißverschluss unbemerkt zu schließen.

Über diesen Knigge Fauxpas kann ich schwer hinwegsehen:

Über würde- und respektloses Verhalten gegenüber jüngeren und älteren Menschen.

Weiter, wenn ich privat im Restaurant bin und die falsche Besteckhaltung am Nebentisch beobachte. Da setze ich mir imaginäre Scheuklappen auf, denn sonst habe ich bald keine Freunde mehr…

Knigge heute ist ...

.... in dieser hochtechnisierten Welt seine Mitmenschen nicht aus den Augen zu verlieren. Achtung vor der Würde des anderen zu zeigen, dabei sensibel vorzugehen und stets angemessen und respektvoll miteinander umzugehen. Genau deshalb hat für mich das Buch des Freiherrn Knigge im 21. Jahrhundert eine gleich große Bedeutung wie einst 1788, als es verfasst wurde. Ich bin nicht die Verfechterin des ganz strengen Reglements und handele privat manchmal unkonventioneller – dennoch lebe ich gute Umgangsformen aus Überzeugung vor. Dabei konnte ich mich mein Leben lang auf mein Bauch- und mein Herzgefühl verlassen.