KNIGGE - Gesellschaft für Moderne Umgangsformen

KGMU

Newsletter Sommer 2014

Sehr geehrte Mitglieder, liebe Leser,

für die meisten, zumindest mit schulpflichtigen Kindern, ist der Sommer die Hauptreisezeit. Daher widmen wir uns in dieser Sommer-Ausgabe dem Thema Reise. Unsere Präsidentin, Tosca Freifrau von Korff, gibt wertvolle Tipps für das Verhalten im Flugzeug. Yasmin Birk verfasste den unterhaltsamen Hotel-Knigge. Dr. Rosetta Meier rundet das Sommerthema mit einem Knigge für das Gesundheitswesen ab. In „Kurz gefragt“ lernen Sie die kniggologischen Hintergründe unseres neuen Mitglieds, Birgit Eggerding, kennen.

Viel Spaß beim Lesen und einen entspannten Sommer
wünscht Ihnen
Christina Robke


Ausgabe Sommer 2014

• Urlaubszeit ist Reisezeit
• Hotel-Knigge
• Adiletten nicht erwünscht
• Kurz gefragt: Birgit Eggerding

Urlaubszeit ist Reisezeit – Moderne Umgangsformen über den Wolken

von Tosca Freifrau von Korff

Schon vor dem Start beginnt die Höflichkeit Mitreisenden gegenüber: selbstverständlich können Sie für lange Flüge bequeme Kleidung wählen. Dennoch sollte sie stets kleidsam sein. Da es im Flugzeug eng ist und sich die Mitreisenden ungewollt sehr nahe kommen: achten Sie auf einen dezenten Duft und ein dezentes aber effektives Deo.

Sie erleichtern das Platzeinnehmen im Flugzeug, wenn Sie so in die Maschine einsteigen, wie es vom Airline-Personal durchgesagt wurde, z. B. erst die Reihen 60 – 31, dann 30 - 1. Auf diese Weise ist es für alle Passagiere angenehmer an Bord zu kommen.

Ein kurzes freundliches „Hallo“ oder „Guten Tag“ an die Flugbegleiter zu richten ist beim Einsteigen in die Maschine obligatorisch und gehört zum guten Ton. Ihr Handgepäck sollten Sie zügig aber vorsichtig in den oberen Ablagefächern verstauen, so dass Sie Jacken, Mäntel und Taschen der Mitreisenden nicht unnötig stauchen. Ihr Nebenmann wird sich über eine kurze Begrüßung auf jeden Fall sehr freuen!

Ob Ihr Sitznachbar auch offen für Gespräche ist, merken Sie schnell an verbalen und vor allem nonverbalen Signalen. Seien Sie sensibel und gönnen Sie Ihren Mitreisenden Ruhe und Entspannung über den Wolken.

Sollten Sie in einen unerwünschten Smalltalk hineingezogen werden, sind ein paar erklärende Worte hilfreich: „Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich habe mich darauf gefreut, auf diesem Flug meine Zeitschrift zu lesen/etwas zu schlafen/meine Unterlagen für den morgigen Tag durchzuarbeiten."

Generell gilt, dass Unterhaltungen an Bord in angenehmer, das heisst gedrosselter, Lautstärke geführt werden sollten. Über den Gang hinweg zu kommunizieren ist für alle drum herum sitzenden störend. Auch mit den eigenen Kindern sollte man dies vor dem Abflug besprechen.

Das Problem mit den Armlehnen bei Dreiersitzen ist einfach zu lösen: gönnen sie demjenigen, der den Mittelplatz einnimmt – nach wie vor der unbeliebteste Platz für die meisten Menschen – die beiden Lehnen links und rechts. Der Arme hat weder eine schöne Aussicht, noch kann er auf den Gang ausweichen.

Sommerzeit ist auch Kinderferienzeit. Haben Sie Verständnis dafür, dass mitreisende Kinder eventuell aufgeregt und damit zu Beginn der Flugreise etwas unruhig sind. Dazu kommt die eingeschränkte Bewegungsfreiheit sowie vielleicht eine lange Flugdauer. Eltern sollten darauf stets vorbereitet sein: Malsachen, Bücher oder Rätselhefte für die kleinen Passagiere gehören immer ins Handgepäck. So vergeht die Zeit wortwörtlich wie im Fluge!

Flugbegleiter/innen sollten während des gesamten Fluges höflich und respektvoll behandelt werden. „Tomatensaft“ ist keine Bestellung, sondern ein Getränk. Besser geht es so: „Ich nehme gerne einen Tomatensaft. – Vielen Dank.“

Nach einer freundlichen Verabschiedung von Ihrem Sitznachbarn öffnen Sie vorsichtig die Gepäckfächer und verlassen Sie erst dann das Flugzeug, wenn Sie an der Reihe sind. Drängeln gilt als ausgesprochen unfein! Selbstverständlich dürfen Sie Mitreisenden dabei behilflich sein, das Handgepäck aus den oberen Ablagefächern zu holen. Bieten sie einfach Ihre Hilfe an.

Beim Verlassen des Flugzeugs wird Ihnen häufig eine kleine Süßigkeit angeboten. Diese Aufmerksamkeit ist für Sie gedacht und so sollten Sie es auch handhaben. Nehmen Sie sich ein Bonbon oder eine Schokolade, aber keinesfalls noch eine ganze Hand voll für die Daheimgebliebenen!

Ich wünsche Ihnen einen guten Flug und einen erholsamen Sommerurlaub!

Hotel-Knigge

von Yasmin Birk

Egal ob auf Geschäftsreisen oder auf Urlaubsreisen – bei einem Hotelaufenthalt gibt es einiges zu beachten, damit der Besuch für alle Beteiligten angenehm verläuft.

Hier die wichtigsten Tipps für Ihre nächste Reise:

•    Sie haben Urlaub, und den haben Sie sich auch verdient. Selbstverständlich möchten Sie es lockerer als zuhause angehen. In einem Hotel ist es trotzdem nicht angebracht, nur mit Bikini oder Badeanzug bekleidet durch die Hotelhalle zu spazieren. Ziehen Sie einen Bademantel über oder noch besser Shorts und T-Shirt. Ein Strandkleid sieht ebenfalls nett aus. Auch zu den Mahlzeiten im Speisesaal – vor allem abends – sind Badeshorts und Muskelshirts verpönt.

•    In den meisten Hotels gibt es heutzutage reichhaltige Frühstücksbuffets. Sie können sich dort so oft Sie möchten bedienen und sich richtig satt essen. Es ist aber nicht gestattet, auch gleich noch den Proviant für den Tag einzupacken.

•    Grüßen Sie freundlich, wenn Sie in den Speisesaal kommen oder einen anderen Gast auf dem Flur treffen. „Guten Morgen“, „Guten Tag“ und „Guten Abend“ oder auch locker „Hallo“ sind die modernen Grußformeln.

•    Schon frühmorgens Liegen am Pool zu belegen, ist eine Unsitte. Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach dem Frühstück an den Pool, und alle Liegen sind belegt – die meisten nur von Handtüchern. Das ist doch wirklich ärgerlich.

•    Bei aller Freiheit, die man im Urlaub genießen möchte: entscheidet man sich für einen Urlaub im Hotel, muss man Rücksicht auf die anderen Hotelgäste nehmen. Achten Sie auf die Zimmerlautstärke, wenn Sie fernsehen, Radio hören oder sich unterhalten. Und versuchen Sie die Zimmertüre möglichst leise zu schließen. Ihre Nachbarn werden es Ihnen danken.

•    Kleine Toilettenartikel wie Shampoo-Fläschchen, die vom Hotel zur Verfügung gestellt werden, dürfen streng genommen nicht eingepackt werden. Sie gehören zur Ausstattung des Hotels. In der Regel tolerieren die Hotels das allerdings. Anders sieht das mit Handtüchern, Bademänteln etc. aus. Hier handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt, wenn sie mit nach Hause genommen werden, sondern um Diebstahl.

•    Zu guter Letzt: Trinkgeld ist ein freiwilliges Dankeschön an das Personal. Über die Höhe entscheiden Sie. Ihre Zufriedenheit können Sie durch die Höhe des Trinkgeldes ausdrücken. Gar kein Trinkgeld zu geben, gilt als knauserig und unhöflich. Denken Sie bitte auch an das Reinigungspersonal und hinterlassen Sie im Zimmer ein Trinkgeld.

Adiletten nicht erwünscht – Stellenantritt zur Sommerzeit

von Dr. Rosetta Meier

Nicht schlecht staunte ich letzte Woche bei meinem neuen Stellenantritt in einer öffentlichen Schweizer Klinik. Dort hieß es in einer klinikinternen Weisung, die dem Arbeitsvertrag beilag, dass das Tragen von Adiletten und Flipp Flopps während der Arbeitszeit nicht gestattet sei. Dass das heutzutage offenbar schriftlich festgehalten werden muss ist Anlass für diesen Beitrag.

Kleidung/Schuhe
Ein gewisser Komfort ist bei der täglichen Arbeitsbelastung, dem vielen Stehen und Gehen absolut nötig, und Turnschuhe sind hier völlig in Ordnung. Aber auch hier fällt mir immer wieder auf, dass alte, abgelaufene Schuhe getragen werden. Hier sollte man immer mal wieder überprüfen, ob ein neueres Modell nicht sinnvoll sein könnte.

Ob als Arzt oder Pfleger, saubere und gepflegte Kleidung ist insbesondere in Gesundheitsberufen ein Muss, schon aus Gründen der Hygiene. Da in den meisten Fällen immer noch weiss getragen wird, sollte die Kleidung täglich – bei Flecken durch z.B. Kugelschreiber oder Anderes sofort – gewechselt werden.

Distanzzonen in Gesundheitsberufen
Bemerkenswert fand ich auch die Tatsache, dass über Distanzzonen im Umgang mit Patienten gesprochen wurde. Der tägliche Körperkontakt zu Patienten erfordert oft eine Nähe, die im normalen Alltag natürlich so nicht vorkommt. Daher sollte man sich erst recht die üblichen und unbedingt erforderlichen Distanzzonen immer wieder ins Bewusstsein rufen.
Hier gilt es, mindestens eine Armlänge Abstand einzuhalten. Bei Patientenkontakt sollte unbedingt vorher angekündigt werden, wenn ein Körperkontakt notwendig ist. Um ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen und das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln sollte dem Patienten erklärt werden, was gemacht wird. Das erleichtert auch dem Untersuchenden/Behandelnden die „ Arbeit“. Man neigt nämlich dazu, eine vermehrte Körperspannung aufzubauen, wenn man nicht genau über den kommenden Untersuchungs- oder Behandlungsablauf informiert ist, und das erschwert die Untersuchung und Behandlung enorm. Einen Patienten ohne Ankündigung einfach anzufassen und mit der Untersuchung zu beginnen ist ein absolutes No-Go, wird aber leider immer wieder gesehen.

Gespräche mit Patienten/Angehörigen
Eine schwierige Situation sind die Gespräche im Patientenzimmer. Sofern es sich um ein Mehrbettzimmer handelt und der Patient bettlägerig ist, müssen oft sehr persönliche Informationen mit dem Patienten ausgetauscht werden, die nicht unbedingt für den Patienten im Nachbarbett bestimmt sind. Das lässt sich leider oft nicht vermeiden. Meine Erfahrung zeigt, dass es in manchen Fällen sinnvoll sein kann, sich zum Patienten auf die Bettkante oder besser, wenn Platz ist, einen Stuhl zu setzen. Unbedingt sind Angehörige anderer Patienten höflich darum zu bitten, vor der Türe zu warten.

Ein Krankenhausaufenthalt birgt meist viele Unsicherheiten hinsichtlich zu erwartender Diagnose und Behandlung. Eine zeitnahe Information sowohl an den Patienten (mit aktiven Rückfragen, ob alle Abläufe und Behandlungsziele verstanden wurden) als auch gegenüber den Angehörigen macht aus meiner persönlichen Erfahrung das Zusammenarbeiten einfacher und beugt Missverständnisse vor. Dies sorgt für ein zusätzliches Maß an Vertrauen.

Kurz gefragt ...

Name: Birgit A. Eggerding

Wohnort: Mainz am Rhein

Unternehmen: BDE Beratung

Schwerpunkt/e: Knigge-Training

Wie kamen Sie zum Knigge Training?

Gute Umgangsformen, besonders die Tisch- und Esskultur haben mich schon immer interessiert. Der Fokus dafür verstärkte sich durch Restaurant-Besuche bei Sterne-Köchen. Dann begann ich Knigge-Bücher zu lesen und Seminare zu besuchen.

Stil bedeutet für mich:

Stil zeigt sich in der Haltung, der Handlung, dem geschriebenen Wort, dem gesprochenen Wort und ausgeprägter Herzensbildung.

Über diesen Knigge Fauxpas kann ich schwer hinwegsehen:

Geschmacklosigkeit in jeglicher Hinsicht: im Benehmen, in Worten, in Taten.

Knigge heute ist ...

... kein starres Korsett von gesellschaftlichen Regeln, eher ein sympathisch-authentisches Auftreten, gepaart mit einem Schatz an überlieferten Werten.